Die Entstehung von Miakwadang

30 Jahre später sollten genau diese Freundschaften dafür sorgen, dass man sich, gestärkt an Kraft und Humanität, den Folgen von Krankheit, Krieg und Elend entgegenstellt und ihnen mit allem, was man hat, ins nackte Gesicht blickt. 2007 sollte Dr. Herbert Bronnenmayer  altbekannte Freunde wiedertreffen, denn auch seine damaligen Nachbarn, Mary und Haruun Ruun, folgten den Zeichen der Zeit und flohen in die USA. Haruun wagte jedoch schon 10 Jahre früher die Rückkehr in seine alte Heimat, um als Generalsekretär für die „New Sudan Council of Churches“ zu arbeiten, eine Organisation aller christlichen Kirchen im Sudan, die ebenfalls versuchten dem Land und den Menschen zu helfen, denn die Wunden des Krieges klafften tief. Abgesehen von den aktiven Kriegsverletzungen und der dadurch weiter fortgeschrittenen Armut, verloren die Bewohner auch ihre Kultur, ihre Selbstständigkeit und ihre Art zu leben. Sie besaßen weder Struktur noch Heimatverbundenheit, aufgewachsen in Flüchtlingslagern, unter dem Einfluss vom Islam zur falschen Scham rekrutiert, unter dem Einfluss Chinas in kleine, karge Regionen zurückgedrängt.

Doch alle Stärke wird nur durch Hindernisse erkannt, die es zu überwältigen gelingt und so fackelte man nicht lange, um sich zu einem ersten Gespräch zu treffen, nur um festzustellen, dass auf beiden Seiten, sowohl auf der österreichischen, von Dr. Bronnenmayer ausgehend, als auch auf der sudanesischen unter den Ruuns, dieselben Gedanken und Illusionen geschaffen wurden, die dieses Land, besonders das Dorf Nyeyok, die Geburtsstätte von Haruun, so dringend benötigt.

Als nun aus der Asche des Bürgerkrieges  die NGO Miak Wadang Sudan (bedeutet „Zukunft“ auf Dinka) wie ein Phoenix entstand, dauerte es nicht lange, bis auch Österreich mit „Miak Wadang Nemsa“ (arabisch für Österreich)nachzog und sich auch in Rumänien, Kanada und den USA ähnliche inoffizielle Organisationen formierten.  Durch einen Bericht an die Landesregierung und die österreichische ECA (Economic Commission for Afrika) gelang es Gelder für zwei Förderperioden zu bekommen, womit man sowohl die erste Reise in das Krisengebiet, die „Fact Finding Mission“, finanzierte sowie zwei weitere Jahre. In den bisher insgesamt 7 Reisen nach Nyeyok involvierte man u.a.  Mediziner (Studenten sowie bereits tätige Ärzte), Regionalentwickler, Spezialisten in den Gebieten Kinder- und Frauenarbeit, sowie Wirtschaftsstudenten und Pädagogen. Man konnte über diverse Vorverhandlungen fünf große Themenbereiche bewerkstelligen, denen es sich anzuvertrauen galt:

  1. Medizin
  2. Kunst & Kultur
  3. Landwirtschaft
  4. Ausbildung
  5. Wirtschaft

1. Medizin

Eines der Grundbedürfnisse eines jeden Menschen ist Gesundheit, doch besonders in Gebieten wie im Südsudan ein rares und wertvolles Gut. Bei Erkältungen, Durchfall, Gelenksbeschwerden oder sogar Malaria, einige von vielen Krankheiten, die verstärkt in der Regenzeit auftreten oder Augenentzündungen, wie in der Trockenzeit, können sich die Dorfbewohner keineswegs die Ruhe können, die sie bräuchten; es gilt, eine zu überleben, nicht zu kurieren. Brüche werden provisorisch von zuständigen „Medizinmännern“ versorgt und Gelenksbeschwerden Malaria  u. a. einfach ignoriert. Doch genau diese Überlebenseinstellung ist es, die vielen bereits den Tod brachte und diese fehlende medizinische Unterstützung und Ignoranz der Grund, weshalb es sich Dr. Herbert Bronnenmayer zuallererst zur Aufgabe gemacht hat, die Menschen mit einer fundierten Basismedizin zu versorgen, damit sich diese wieder ihrem Leben, nicht ihrer Krankheit, widmen können. Dafür wurden im Jänner 2008 zwei Regionalentwickler und zwei Ärzte für Verhandlungen und Beobachtungen nach Afrika geschickt, um im Juli desselben Jahres endlich ein provisorisches Klinikzelt aufzubauen, um den Menschen vor Ort zu helfen.  Bis zu 80 Personen/ Tag suchten hier Hilfe und Rat, wobei nicht einzelne Fälle sonders das Gesamtleiden auf sich Aufmerksam machte. Denn nicht nur seltene tropische Krankheiten (v.a. Kala Azar, ein ehemaliges Teammitglied und Medizinstudentin, Vanessa Völkel widmete sich dieser Krankheit in ihrer Diplomarbeit) sondern auch eine hohe Kindersterblichkeit verdoppeln die bereits zu tragende Last. Als Lebens- und Altersversicherung, sowie als Hilfe in allen Bereichen des Alltags sind Kinder unersetzlich. Doch aufgrund von fehlenden Hebammen sterben diese als auch ihre Mütter bei der Entbindung.

Ein Menschenleben zählt wenig; nicht einmal ein richtiges Begräbnis wird den Verstorbenen zuteil. Man hat gelernt mit dem Tod und seinen Brüder, Krankheit und Elend, zu leben und durch diese erworbene Überlebenstechnik akzeptiert, dass Tod und Sterben Tür an Tür mit einem wohnt, immer darauf lauernd, sich und seine Familie hinzuraffen und alles, was du man kannst, ist beten und hoffen, dass niemand von diesen auf seiner Liste stehst.

Dieses, durch den Bürgerkrieg tief eingeprägte Verständnis vom Tod, wollen der Kirchdorfer und sein Team beseitigen, indem sie ein System, bestehend aus Dorfapotheke, Erste Hilfe Stelle und Präventivmethoden ,z.B. durch Ernährung, Bildung, Wirtschaft,  aufbauen und so den Menschen im Dorf zeigen, dass man nicht an allem sterben muss und das der Tod nicht unbesiegbar ist.

2. Kunst und Kultur

Doch nicht nur physische Krankheiten und Verletzungen grassieren in diesen Gebieten, auch seelische Wunden gilt es zu heilen. Zwanzig Jahre Bürgerkrieg fordern ihren Tribut, indem nicht nur Identität, sondern auch Kultur verloren wurde. In diesem Fingerspitzengefühl gefragten Bereich hat es sich Veronika Kunze, die bereits mehrmals mit Dr. Bronnenmayer in das Dorf Nyeyok gereist ist, zur Aufgabe gemacht, die psychischen Probleme sowohl der Kinder, als auch der Frauen, zu erkennen und mit diversen Projekten zu behandeln. So brachte sie als Erstes die Schönheit in ein Dorf voller Zerstörung und Verlust. Mit der Initiative „Eine Hand voll Perlen“ versucht sie nun mehr seid bereits drei Jahren ihren ehemaligen Stolz und ihr Selbstvertrauen, getreten und geschlagen von zahlreichen Vergewaltigungen und brutalen Handlungen, wieder auferstehen zu lassen und was könnte hier besser wirken als Schmuck, frei nach dem Songtitel „Diamonds (Pearls) are a girls best friend“.

So konnten zahlreiche Frauen, aber auch Männer, nicht nur wieder zu ihrer eigenen Kultur, in Form von Stammesschmuck, sondern auch zu Freude und Sinnhaftigkeit in ihrem Leben finden. Denn die Ketten und Armbänder, die nicht zum eigenen Wohl behalten wurden, verkaufte Fr. Kunze in Österreich und finanzierte so wiederum den Kauf von weiteren Perlen in Afrika.

Ein anderes Projekt befasst sich mit Stricken. Dies brachte sie fünf Frauen während eines Aufenthaltes bei, um diesen so die Möglichkeit zu geben, eigene Kleidung zu stricken, als auch weiteren Frauen diese Handfertigkeit beizubringen.

Weiters will sie aber auch Menschen, besonders Kinder, in Österreich über Zustände in Afrika aufklären. Doch dafür benötigte sie nicht erst den Anreiz von MiakWadang, denn Theaterspiele verfasste sie bereits vor 15 Jahren. „Von Kinder für Kinder“ meint, dass Volkschüler erst durch Vorträge über die essenzielle Problematik im Sudan aufgeklärt werden, damit sie sich später mit umso mehr Elan im Stück verwirklichen und so ihre Anteilnahme an ärmeren Gleichaltrigen zeigen. Die Beträge, die man hierbei durch Spenden sammelte, wurden von Landesrat Stockinger noch zusätzlich verdoppelt. Dieses Projekt konnte mit viel Erfolg bereits in der Volkschule Lichtenberg („Gsund & Bunt), als auch in der Volksschule Luftenberg („ Ein bunter Mosaikstein für eine Hand voll Hirse für die Kinder in Nyeyok“) und in Hagelsberg umgesetzt werden.  Zusätzlich spendeten zahlreiche Kinder ältere Schultaschen und die Volksschule Ternberg versuchte sogar mit eigens geschriebenen Briefen den Kindern in Afrika auf Papier näher zu kommen. Im Entstehen befindet sich „Jangos Leben“, ein Liebesgeständnis an ein Straßenkind aus Melut und Patensohn von Fr. Kunze. Dies soll im Herbst in vier Schulen aufgeführt werden.
Zukünftig würde sie sich auch Schulutensilien in Form von Bänken und Tischen, aber auch eine kreative „afrikanische“ Art einer Schulfarm mithilfe der Kooperation von einigen Volkschulen wünschen.
Was ihr und Dr. Herbert Bronnenmayer aber trotz allem am Meisten am Herzen liegt, ist die Weiterführung der Suche nach ihrer alten Identität und ihrer alten, psychischen Kraft. Denn trotz eines „sich-selber-schmücken“ kann man viele gebrochene Menschen sehen. Vielleicht nicht auf den ersten Blick, doch Kinderzeichnungen von Waffen, Leichen und Blut und ernste, durch Falten zerfurchte Gesichter sprechen für sich. Es ist die „afrikanische Überlebenstärke“  die sie festigt. Die tägliche Besorgnis um Nahrung oder ein Dach über den Kopf lässt das Hier und Jetzt zur absoluten Priorität werden. Denken an Vergangenheit, Erlebtes, Erinnerungen, für das hat niemand Zeit. Doch spätestens wenn diese Primärbedürfnisse gestillt und keine Sorgen mehr bezüglich Essen, Kleidung und Wohnen bestehen, beginnen die Menschen zu denken, sich zu erinnern und ihre Seelen für die lang verdrängten Traumata zu öffnen. Um auch bei diesem „Sekundärtrauma“  zu helfen, möchte man ihn Verbindung mit Reconcile Seminare in Kirchen anbieten, sowie „Selbsthilfegruppen“, in denen man versucht ihnen mitzuteilen, dass sie keine Sklaven ihrer selbst sind und auch keines ihres Landes, dass ihres Kultur etwas bedeutet und sie auch.

3. Landwirtschaft

Die Dorfbewohner ernähren sich hauptsächlich autark. Sie essen das, was sie umgibt: Die Früchte, die an Bäumen und Sträuchern wachsen und Nahrung, die in Wiesen und Feldern gedeiht. Aber solch eine Lebensweise zeugt auch von starker Abhängigkeit. Regen und Dürre kennzeichnen das Jahr und weisen die Menschen hinsichtlich Hunger und Sättigung zurecht. Wenn kein Tropfen die Erde berührt, verstaubt der Boden angesichts der Hitze der afrikanischen Sonne genauso wie Nahrung und Menschen. Wenn eine Sintflut den Nil überquellen lässt, dankt man und hofft gleichzeitig auf ein trockenes Plätzchen. Alles, was wir hierbei tun können, ist ihnen zu zeigen, wie sie Fläche nutzen können und bei Dürre nicht aus Tümpeln trinken müssen.

Daher versorgte MiakWadang Nyeyok in der ersten Hälfte des Jahres 08 mit Nahrungsmittel da sie aufgrund einer Hungerperiode den Zorn der Natur am eigenen Leib spüren musste. In der zweiten Hälfte bestellte man den Acker um sich 2009 einer großen Ernte zu erfreuen. Dafür arbeitete man rund drei Monate am Feld. Doch bereits Ende dieses Jahres neigte sich der Trinkvorrat dem Ende zu. Um ein Trinken aus Tümpeln und somit aufkeimende Krankheiten zu vermeiden, lieferte man Wasser. Auch Rumänien kam dem Dorf zu Hilfe, als sich eine weitere Dürre ankündigte, indem man mit umgerechnet 100 000 $ Getreide kaufte und dieses an die Bewohner verteilte. MiakWadang kümmerte sich ebenfalls um Getreide, welches der Lagerung diente. Dieses konnte man erfolgreich in einer Getreidemühle unterbringen, welche v.a. für die Frauen eine große Erleichterung und Zeitersparnis mit sich bringt. „Nicht einmal bei der Hochzeit hätten sie ein schönes Geschenk bekommen.“  Hirse, die Hauptnahrung der Dinka, musste oft stundenlang mühevoll gemahlen werden, bevor sie zu dem lebenswichtigen Brei weiterverarbeitet werden konnte. Zurzeit organisieren zwei Männer die Einteilung der Hirserationen auf die verschiedenen Dörfer. Im Februar 2010 konnte schließlich erfolgreich ein „MiakWadang- Garten“ angelegt werden, der bereits im April geackert wurde und auch eine Pumpe, die diesen bewässert wurde finanziert. Vier Gärtner aus dem Norden kümmern sich momentan rund um die Uhr um diese „Lebensmittelquelle“, indem man den Gewinn halbiert. Doch eines der Hauptziele, den fruchtbaren Boden, der mit Fruchtbarkeit prahlt und grenzenlos zum Bebauen auffordert, teilweise zu nutzen und die Menschen Schritt für Schritt aus einer totalen Abhängigkeit zu lösen.

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